Leben im Wohnmobil ist eine Herausforderung, vor allem mit Kindern. Geringer Raum und an alles muss im Vorhinein gedacht werden, denn einmal unterwegs ist es meist schwer oder sehr teuer Abhilfe zu schaffen, für technische Dinge oder Umbauten.

Um länger unterwegs zu sein, empfiehlt sich auf jeden Fall ein Wohnmobil. Je nachdem, ob du allein, als Paar oder als Familie diese lange Reise antreten willst, entscheidet sich die Art und Größe des Wohnmobiles. Wir hatten uns mit 3 Kindern für ein 7 Meter Alkoven entschieden, einen 3,5-Tonner mit PKW-Zulassung. Da wir keinen LKW-Führerschein haben, war nur ein 3,5-Tonner möglich, was uns im Nachhinein aber nicht weiter störte. Die Vorteile und Nachteile hier einmal im Überblick.

Vorteile: 

PKW Zulassung und Versicherung ist günstiger

Maut und Autobahngebühren sind günstiger

Parkplätze sind günstiger

2 Jahre TÜV gültig (LKW jedes Jahr zum TÜV)

Parken innerhalb der Stadt ist möglich (auf PKW-Parkplätzen)

Nachteile:

Weniger Zuladung (nur 3,5 Tonnen insgesamt) 

Wer wirklich viel Zeug dabei haben will, braucht einen LKW und kann dann bis zu 7 Tonnen mit sich herum fahren. Wir haben mit der Zeit aber gemerkt, weniger ist mehr. Vorher aussuchen und das Richtige einzupacken, macht mehr Sinn. Dazu braucht es natürlich Erfahrung, um zu wissen, was wichtig ist. Wir sind gut klar gekommen, waren etwas zu schwer, aber das sind alle, auch die 4,5- oder 5-Tonner. 

Eines der wichtigsten Eigenschaften sollte die Heckgarage sein, die groß ausfallen sollte, sprich so groß, dass du bequem hineinsteigen kannst. Es ist super wichtig genügend Zeug hinten in der Garage zu verstauen, eine kleine ist mega anstrengend und unpraktisch. Teilweise kannst du sogar Fahrräder hineinstellen. 

Solar

Leben im Wohnmobil und um länger unterwegs und vor allem unabhängig sein zu können, benötigst du eine gute Solaranlage, die deinen Boardstrom versorgt und dazu noch Handys und Computer laden kann. Wenn du das nicht selbst kannst, dann lass es lieber von einem Fachmann installieren. Es wird eine zweite Batterie angeschlossen und eben das Solar Panel auf dem Dach. Ohne Solar solltest du nicht losfahren, zu abhängig bist du sonst vom Strom auf Campingplätzen.

Die Batterien halten zwar eine Zeit, aber mit jeder Entladung wird sie schwächer irgendwann und es gibt nichts Schlimmeres als eine leere Batterie am Morgen, dann heißt es Starthilfe. Mit Solar kannst du im Prinzip stehen, wo du willst. Meistens wird der Strom nicht aufgebraucht, der durch die Sonne erzeugt wird. Du hast eine Anzeige im Inneren des WoMos, die dir den Status angibt. Gerade für Menschen, die unterwegs arbeiten wollen, ist dies eine tolle Sache und unglaublich autark. 

Bauweise

Die Ausstattung ist ebenso wichtig wie auch die Platzaufteilung. Es kann sein, dass du etwas umbauen musst, weil das Wohnmobil keine zwei Betten hat, sondern nur eine Sitzecke. Wir haben die Sitzecke im Heck zu einem Festbett umgebaut, mit einer neuen Matratze. Das ist wesentlich gemütlicher als die Kissen vom Hersteller. Weiterhin gibt die Alkove noch sehr viel Platz her. Wir haben somit Platz für 2 große und 3 kleine Menschen gehabt. Manche Wohnmobile haben schon 2 Schlafecken, also eine feste im Heck und dann ist meist auch ein Lärmschutz oder Fallschutz integriert. Wenn ihr das Bett im Heck selbst baut, dann denkt an einen Schutz damit die Kinder nachts nicht heraus kullern. Das gleiche bei der Alkove, hier ist aber fast immer eine Option verbaut. Denkt immer daran, für ein Leben im Wohnmobil ist Platz das A und O.

Duschräume

Leben im Wohnmobil heißt auch Pflege im Wohnmobil und das täglich. Die Feuchträume wie Bad und Dusche, die manchmal getrennt sind, sind aus Plastik. Wenn ihr kein neues Wohnmobil kauft, geht sicher, dass im Waschbecken und Duschbecken, sowie an den Armaturen (sofern sie aus Plastik sind) keine Risse sind. Kleine Haarrisse bedeuten, dass das Plastik bereits trocken und brüchig ist. Hier wird irgendwann ein Durchbruch kommen. Bei den meisten passiert es beim Duschen, wenn die Männer mit ihrem Gewicht dann eine Etage tiefer stehen. Legt euch in der Dusche am besten ein Gitter aus Holz rein, das verteilt das Gewicht etwas. Sonst achtet wirklich darauf beim Kauf. Diese Einsätze sind sehr teuer und die Reparatur auch. 

Das Klo

Ein ganz wichtiger Punkt für ein Leben im Wohnmobil ist auch die Toilette. Legt euch 2 Kassetten für die Toilette zu, ihr könnt so länger unterwegs sein. Mit drei Kindern und einem gesunden Stoffwechsel, ist die Klo-Kassette schnell voll. Dann heißt es eine Option zum Entleeren suchen und losfahren. Zwei Tage schaffen wir es mit einer Kassette, maximal. Wir großen haben oft die Möglichkeit der Auswärtsentledigung gesucht wie in Restaurants, das schafft Platz. Mit zwei Kassetten ist das schon etwas entspannter und flexibler. 

Habt ihr ein gebrauchtes Wohnmobil, empfehlen wir die Anschaffung neuer Kassetten. Unsere war leider nicht vollständig dicht und wenn ihr mal mit einem solchen Klo unterwegs seid, das WoMo nach links und rechts schaukelt, stinkt es irgendwann im Inneren des WoMos wie auf einem Plumsklo, ekelhaft. Also neue anschaffen und dicht ist das Geschäft. 

Es gibt inzwischen auch sehr coole und nachhaltige Toiletten die groß von klein trennen und das große Geschäft verbrennen. Es bleibt dann nur Asche und ihr könnt diese draußen entsorgen. Das ist richtig klasse und wieder ein Stück autarker.

Wasserversorgung

Wenn ihr die Chance und die Zeit habt, rüstet euch den größtmöglichen Wassertank nach. Normal sind 100 Liter, besser sind 250 Liter, das schafft wieder mehr Flexibilität. Und wer noch richtig einen drauflegen will, rüstet sich einen Wasserfilter nach, mit dem das Boardwasser gefiltert wird und somit trinkbar ist, also eine Umkehrosmose-Anlage. Das heißt aber auch wieder, mehr Abwasser, spart aber die Plastikflaschen die ihr kaufen müsst und auch den Platz. Inzwischen gibt es viele, die sich ein solches Filtersystem an Board nachrüsten. Es ist einfach praktisch. Wenn so ein WoMo in die Jahre kommt, solltet ihr das Wasser aus den Leitungen nicht mehr trinken, selbst wenn diese mal gereinigt wurden, die Kunststoffleitungen sind einfach schmutzig und nicht zur Wiedergabe von Trinkwasser empfohlen, es sein denn es wird gefiltert. 

Ebenso hatten wir immer 2 mal einen 10 Liter Kanister Wasser an Board als Reserve zum Waschen der Füße oder was auch immer. Reserven sind immer gut 🙂 

Motor 

Ein starker Motor kann mehr leisten und mehr ziehen, vor allem wenn es viel bergauf geht. Ein 2 Liter Diesel ist eine Mindestanforderung finden wir und wir standen oft in Situationen wo ein anderer Motor versagt hätte. Zudem hatte unseres eine Steuerkette, die ebenso mehr aushält als ein Zahnriemen, ist aber kein Muss. Lasst den Motor vorher auch checken, macht einen Öl- und Filter-Wechsel und habt vor allem immer Motoröl an Board sowie Kühlflüssigkeit und Scheibenwaschmittel. Auch hier ist die Wasserreserve immer praktisch. Lasst die Kupplung checken und das Getriebe, eine lange Strecke will zurück gelegt werden und es geht meist über die Alpen ins Warme über viele Stunden Fahrt. 

Gasversorgung 

Wohnmobile werden mit Gas genutzt, sprich sie haben meist eine Heizung, die über das Gas heizt und auch das Wasser erwärmt. Oft ist Platz für 2 Gas Flaschen in der Seitenwand im Gasschrank. Jedes Land hat jedoch seine eigenen Systeme, sprich der Anschluss ist ein anderer…es könnte ja einfach sein. Schweden, Spanien, Italien, Portugal, überall gibt es andere Anschlüsse. Ihr könnt euch jedoch die nötigen Adapter zulegen, der Campingbedarf eures Vertrauens wird euch hier helfen können. Macht euch vorher schlau und kauft die richtigen Adapter, das ist sonst ein Krampf in einem fremden Land einen Service zu finden, der euch das System umbaut. 

Nice To Have

Eine Rückfahrkamera ist eine Praktische Angelegenheit und kann ebenso sehr einfach nachgerüstet werden. Wir haben sie ans Rücklicht angelegt und immer wenn das Licht brannte, was es immer tat, war auch die Kamera an. Sie ersetzte den fehlenden Rückspiegel und über den Monitor der an der Armatur angebracht werden kann, oder am Radio mit Monitor besteht so immer gute Sicht nach hinten. 

Eine Outdoordusche mit Anschluss an der Außenwand ist praktisch und kann vor allem im Warmen gut genutzt werden. So bleibt es drinnen sauber. 

Utensilien

Leben im Wohnmobil muss nicht spartanisch sein, etwas Gemütlichkeit und Luxus darf schon sein.

Campingtisch und Stühle müssen einfach mit. Schaut, dass sie bequem sind und nicht nur praktisch klein. Ihr wollt auf diesen Stühlen lange sitzen und es gemütlich haben. 

Eine Markise ist ein Muss, sie schützt vor Sonne und vor Regen. Wohnmobil-Markisen sind immer Wasserdicht. Es gibt auch Systeme, mit denen die Markise zu einem Vorzelt erweitert werden kann. Das ist von Vorteil, aber nur etwas für Campingplatz-Camper und das sind wir ja nicht 😉 

Keile zum Ausgleichen bei Schrägen sind auch im Campingbedarf erhältlich. Sie sind echt wichtig. Meistens sind sie gelb und sorgen dafür das ihr euer WoMo ausrichten könnt bei schrägen Flächen. 

Wäscheleine und Wäscheklammern sind wichtig und hier kann es nicht schaden, eine richtig lange, wasserfeste Leine mitzunehmen. 

Das Märchen vom Narkosegas im Camper

Jemand kennt jemanden, der jemanden kennt, dem das mal passiert ist. Wenn ihr euch einmal damit auseinander setzt wie Narkosegas dosiert werden muss, damit es funktioniert, der weiß das ist alles Schwachsinn. Nach 2 Jahren Leben im Wohnmobil, wissen wir um die Gefahren und hier besteht keine.

Narkosegas muss extrem genau dosiert werden, etwas zu viel und der Patient wacht nicht mehr auf. Das Resultat wäre Mord, wo doch derjenige nur schnell Geld oder Technik ergattern wollte.

Das Wohnmobil ist nicht dicht, es sind immer irgendwo Lücken, schon wegen dem Gas an Board, die Dosierung wäre nicht möglich.

Narkosegas ist super teuer und eine Verschwendung. Das könnte sich das besagte Klientel nicht leisten, die klauen ja, weil sie arm sind. 

Wir haben öfters von Fällen gehört, in denen jemand nachts im Wohnmobil stand und etwas klauen wollte. Die wollen klauen und niemandem schaden. Die haben kein Interesse an solchem Stress. Schnell klauen und weg. Vor allem im Raum Frankreich oder Spanien solltet ihr nicht auf Tankstellen oder Raststellen übernachten, das ist prädestiniert für einen Raub. 

Im Wohnmobil ist der Schlaf einfach ein sehr fester und tiefer, das haben wir auch bemerkt. Das liegt sicher daran, dass die Luft frisch ist und nicht wie in einer Wohnung, wie beim Zelten nur ruhiger. Das sorgt bei vielen für einen Schlaf bei dem so schnell keiner aufwacht. 

Sicherheit: Das macht Sinn. 

Wer sich Nachts absichern will, der sollte sich 2 Dinge zulegen. Zum Einen gibt es ein Riegelsystem für die Campertür, welches mit einem durchgehenden Riegel die ganze Tür blockiert. Ein Öffnen von außen ist unmöglich, vor allem leise. 

Zum Anderen gibt es ein Spannsystem mit Haken an zwei Seiten, welches an den Türen in der Fahrerkabine befestigt und dann gespannt wird. Ein Öffnen der Türen ist auch hier unmöglich. Wie gesagt, wer es sicher haben will, extrem sicher. Sonst passt es auch so, einfach immer im Blick behalten, wo ihr steht und damit bewusst umgehen. Gerade, wenn Kinder dabei sind legen wir großen Wert drauf. 

Wenn ihr mehr wissen wollt, zum Leben im Wohnmobil dann lest unseren Beitrag über unseren Roadtrip durch Europa!