Projekt Roadtrip durch Europa als Großfamilie im Camper.

Wir sind das Reisen als Familie gewohnt, schon oft waren wir mit den Kindern auf Tour wie der Roadtrip quer durch Florida, in dem wir die Keys und die Everglades durchquerten bis hoch in den Norden. Ebenso waren wir 2 Monate in Thailand auf Backpacker Tour mit den Kindern und haben in einem VW Bus mit Safari Zelt Sardinien umrundet. Wir lieben das Reisen, vor allem mit den Kindern und sind sehr glücklich ihnen die große weite Welt zeigen zu können. Es gibt für uns alle so viel zu sehen und gemeinsam lernen wir die Welt als unser Zuhause kennen, werden sicher im Umgang mit fremden Kulturen und Sprachen. Aber ein Roadtrip durch Europa ist ein einmaliges Erlebnis!

Für unseren Roadtrip durch Europa brauchten wir nun mehr Platz und Raum, denn mit drei Kindern ist das schon erforderlich und so beschafften wir uns einen 7,10 Camper, der für unsere Reise entsprechend umgebaut wurde mit 2 großen Betten. Nachdem wir uns von unserer Familie mit einer großen Feier verabschiedet hatten, ging das Abenteuer los. Unsere Route startete in Brandenburg und verlief über die Müritz, Hamburg und Nordstrand. Von dort nach Dänemark wo Rømø, Ribi, Kopenhagen usw. warteten. Schweden erkundeten wir von Malmö zur Ostseite hin und von dort an der Küste entlang bis nach Vimmerby im Inland. Die Rückreise aus Schweden endete mit einem Sonnenstop in Falsterbo, wo wir schöne Sonnentage am Strand genossen.  

Quer durch Deutschland, über die Alpen, den alten Alpenpass entlang wo unsere Bremsen Feuer fingen und mit langem Stopp in Meran und Riva zum Wandern, Mountainbiken und verweilen am schönen Gardasee. An der Westseite des Gardasees entlang ging die Reise weiter nach Frankreich, an der der Mittelmeerküste entlang bis nach Spanien. Frankreich und Spanien mussten wir relativ schnell durchqueren, denn Schnee, Glatteis und Sturm machten die Fahrt sehr gefährlich und ein längerer Aufenthalt wäre zu kalt gewesen.

Unser Ziel beim Roadtrip durch Europa war es, Portugal zum Überwintern zu nutzen und das hat bisher gut funktioniert. Wir pendeln an den Küsten der Algarve von Portimao bis Sagres hin und her, stehen an tollen Stränden und genießen die Zeit ohne den großen Tourismus sehr. Bei großen Wellen bis zu sieben Metern, werden die Buchten zu einzigartigen Naturschauplätzen und die Küste ist atemberaubend vom Kajak aus. Bis Ende März werden wir noch an der Algarve bleiben, Campen, Surfen und Kajaken. 

Roadtrip durch Europa

Es ist Sommer im Juni 2017 und wir sitzen gerade in in unserem neuen Wohnmobil, welches wir gekauft haben. Wir haben es gebraucht gekauft und sind froh ein passendes gefunden zu haben. Da wir meist sehr spontane Entscheidungen treffen, sind es nur noch 4 Wochen bis wir unsere Wohnung verlassen müssen, dann sind wir ohne Wohnung und der Plan ist, die nächsten Jahre im Camper zu verbringen. Es wird also höchste Zeit unsere zukünftige Wohnung auf Rädern vorzubereiten. Mehr Details zu unserem Wohnmobil folgen im Beitrag: Leben im Wohnmobil

Die Entscheidung, unseren Wohnsitz in Deutschland aufzugeben, fiel uns nicht leicht. Wir haben sehr gerne dort gewohnt und hatten alles was man brauchte: Familie, Freunde, Berlin in der Nähe und viel Natur. Brandenburg ist ein toller Fleck Natur und die Nähe zu Berlin ist großartig für uns gewesen, mit Zugang zu veganem Essen und vielen Einflüssen. Wir haben mit Marit viel Zeit in Berlin verbracht, mit Freunden im Prenzlberg die Tage verstreichen lassen bei veganem Eis und vielen guten Gesprächen. Berlin/Brandenburg war und ist ein besonderer Ort für uns.

Wir kommen immer wieder, von Zeit zu Zeit zurück, um Familie und Freunde zu treffen, essen zu gehen und den Flair der Vergangenheit zu spüren. Ich (Henning) bin in Berlin Mitte geboren und bin mit 13 Jahren nach Brandenburg gezogen mit meinen Eltern. Betti ist in Brandenburg aufgewachsen und somit haben wir beide unsere Einflüsse in unsere Familie gebracht. Ich habe Betti die Offenheit Berlins nahe gebracht und sie hat mir die wundervollen Seen und die zauberhafte Natur Brandenburgs gezeigt. Versteht dies einfach als eine Art Liebeserklärung, so versteht ihr vielleicht gut, warum es uns so schwer gefallen ist unsere Zelte dort abzubrechen. 

Für uns war schon sehr früh klar, das Marit nicht eine herkömmliche Schule besuchen soll, eine Freie Schule sollte es sein. Anfangs und mit dem Älterwerden von Marit wurde noch klarer, das wir den herkömmlichen Weg in Deutschland nicht gehen wollen. Homeschooling oder auch Unschooling rückte in unser Leben und somit war klar für uns, dass der Tag kommen würde an dem wir Goodbye sagen  müssen. Deutschland und seit ein paar Jahren auch Schweden, sind die beiden Länder in Europa in denen Homeschooling nicht möglich ist und somit gehen für uns Überzeugungen immer vor Komfortzone. 

Wir hatten inzwischen schon viele Erfahrungen sammeln können, waren mit den Kindern in Thailand unterwegs, oder in den USA, waren also schon Reiseerfahren und dachten uns, wenn wir jetzt noch keinen Ort finden an dem wir unsere neue Homebase aufschlagen, müssen wir danach suchen! Auch hatten wir schon längere Campingerfahrung mit dem Bulli Bus sammeln können und hatten damals ein Dachzelt oben drauf, wir waren zu viert 3 Monate unterwegs und wussten, was auf uns zukommt, nur eben mit mehr Komfort in einem großen Wohnmobil. Betti und ich sind keine großen Planer, wir überlegen zwar sehr lange. Meistens aber handeln wir einfach ohne, dass ein Plan steht. Wir müssen immer erst eine Tür schließen, um die nächste zu öffnen, das ist bei uns einfach so. Vielleicht wäre es mit einem Plan manchmal einfacher gewesen, aber so sind wir halt…hat an anderen Stellen auch seine Vorteile 🙂

Wir kündigten also am Tag X unseren Wohnsitz und ab da an änderte sich unser ganzes Leben noch mal von Grund auf! Damals hatten wir ein 2 Monate Zeitfenster und mussten in dieser Zeit alles regeln und verkaufen, wir haben ja unseren gesamten Haushalt aufgelöst und auch wenn wir dachten, wir haben gar nicht so viel….es ist immer wieder erstaunlich was sich so ansammelt und welche Mengen zusammen kommen. Wir haben viel verschenkt, was wir mal selber gebaut haben wie ein kleines Holzhaus welches in der Wohnung stand, oder einen Sessel aus Paletten. Es gab rege Nachfragen und am Ende wir sind alles los geworden. Vieles musste auch einfach auf den Speermüll, weil die Jahre einfach ihre Spuren hinterlassen hatten.

Schweden im Camper

Es ist irre befreiend alles einmal wegzugeben, wegzuwerfen oder zu verkaufen. Am Ende bleiben ein paar wenige Dinge, Klamotten und persönliches, welches in ein paar Kartons bei der Familie auf dem Dachboden gelandet ist. Die Zeit verging und wir suchten und suchten nach dem richtigen Wohnmobil, es nicht so leicht in dieser Zeit des Umbruchs auch noch Zeit zu finden das perfekte Wohnmobil zu finden, vor allem, wenn Zeitdruck herrscht. 

Am Ende hatten wir dann eines gefunden was genügend Platz für uns versprach, ich, Henning, habe keinen LKW-Führerschein und wollte auch keinen machen für das Womo. Es gibt genügend Vorteile mit einem 3,5 Tonnen Wohnmobil zu fahren. Einer davon ist, es ist ein normaler PKW und damit ist es möglich in der Stadt zu parken und es ist günstiger wenn es um Maut und Fähren geht. Unser Womo war ein Chausson mit einem Fort Transit drunter. Der Motor war kräftig und mit einer Zugkette ausgestattet und wir sind im Nachhinein vom Ford echt begeistert. Er hat uns mit allem immer zuverlässig gefahren und auf jeden Berg gezogen.

Uns war wichtig, das es lang genug ist und das war es mit 7,10 Metern Länge. Zudem hatte es neben dem Alkoven eine große Sitzecke im Heck, welche wir zu einem großen Festbett umgebaut haben. Somit hatten wir zwei große Schlafplätze, im Heck für 3 Personen und in der Alkoven für 2 Personen. Ebenso waren diese Plätze bei Regen Spielfläche für die Kinder. In der Mitte hatten wir einen Tisch mit zwei Bänken und Rubi hatte ihren Kindersitz. Es war immer etwas eng aber man arrangiert sich mit den Möglichkeiten. Es ist halt ein Wohnmobil und kein Bungalow.

Zwischen Festbett im Heck und der Sitzmöglichkeit hatten wir zwei Kabinen, eine war Dusche und die andere war Toilette und Waschbecken. Die Duschkabine wurde von uns meist als Kammer genutzt da wir eh lieber außerhalb duschen waren und das Wasser zu schnell verbraucht war. Es ist eine der größten Aufgaben, Wasser so einzuteilen, dass du lange autark unterwegs sein kannst, denn nicht immer gibt es eine erreichbare Dumpstation für Frischwasser und Abwasser. 

Unsere Polster und Verkleidungen aus Stoff haben wir erneuert, es sah alles etwas in die Jahre gekommen aus und wir wollten unser neues Zuhause gerne wohnlich haben! Es wurde allmählich gemütlich und nahm Form an. Ich habe für eine Bessere Übersicht noch eine Heckkamera nachgerüstet, was wirklich sehr gut war, denn sie war praktisch immer aktiv und ersetzte den nicht vorhandenen Rückspiegel. Es konnte also losgehen, das Packen begann und wir hatten viel was mit sollte, aber wie war das noch mit der maximalen Zuladung….

Campingtisch, Stühle, Fahrräder, Kleidung, Kochutensilien, Campingequipment, Lebensmittel und vieles mehr sollte mit und war wichtig. Wir hatten bei uns im Ort einen Schrotthandel namens Schrott Harry, den ich als Kontrolle nutzte, denn Schrott Harry hatte eine Waage für LKWs. Die erste Fahrt und Kontrolle lief super, als alles an board war, fragte mich Harry ob ich alleine fahren will, denn ich bin bereits zu schwer! Da musste dich wohl entscheiden, ob pack was aus oder lass deine Frauen halt zuhause, war sein Vorschlag 🙂 

Wir haben dann nochmal alles optimiert und überdacht, was wirklich mit muss und was nicht, am Ende waren wir aber immer etwas zu schwer….das sind aber alle wie wir das mitbekommen haben und im Endeffekt auch nicht schlimm, denn unser Womo konnte mit einer bestimmten Zulassung auch aufgestockt werden auf 4 Tonnen. Es war also ausgelegt für mehr…rein technisch. Nun konnte es also losgehen. Die Wohnung war weg, die Kisten verstaut und das Wohnmobil gepackt, fertig für die Europatour. Wie weit wir im Endeffekt fahren würden, hätten wir nicht gedacht, aber auch nicht dass es nur 1,5 Jahre werden würde, denn geplant waren mindestens 2 Jahre. Das Abenteuer konnte beginnen, unser Roadtrip durch Europa und es begann auch schon ziemlich früh. 

Müritz und Hamburg

Unser kurzer Halt in Hamburg war lustig. Wir standen direkt vor einer Polizeiwache, hatten nachts sogar Besuch von der Polizei, die mal schauen wollte wer wir sind. Zu dieser Zeit waren in Hamburg einige Aufstände und es gab Drohungen an die Polizei, daher wollten sie sicher sein, das keine dubiosen Leute darin steckten…es waren nur 3 Kinder und wir 🙂

Man versprach uns eine sichere Nacht und ein Auge auf uns, wir fühlten uns sehr sicher, also und konnte wir in die Nacht starten…man beachte, wir schliefen schon und wurden von den freundlichen Polizisten um ca. 24:00 Uhr geweckt. Ca. um 6:00 Uhr wurde ich (Henning) wach, weil das WoMo am Wackeln war. Nach kurzer Pause wackelte es erneut. Ich warf einen Blick aus dem Fenster und sah dass jemand (versuchte) einzuparken und dabei immer wieder gegen unser WoMo stieß. Ich ging in Unterhose auf die Straße und sprach den Typen an: Hey, was ist denn dein Problem…du merkst schon, dass du mein Wohnmobil ständig beim Einparken anstößt ,ja?

Daraufhin sagte der: Ja, ich weiß, die Parklücke ist so klein, aber ich habs so eilig und muss unbedingt weiter. Der Typ hatte einen nagelneuen Audi und es war ihm total egal. Unser Wohnmobil hatte keine Beule oder dergleichen. Ich machte mir eher um den Audi Sorgen. Was für eine Nacht und was für ein Morgen. 

Es geht nach Dänemark

In Dänemark starteten wir auf der Insel Rømø, ein wunderschöner Ort und auf jeden Fall sehenswert. Es gab hier einen tollen Stellplatz für uns, super angelegt, gepflegt mit Duschen und viel Platz zwischen den Stellplätzen. Wir hatten glücklicherweise unsere Fahrräder dabei und konnten dies auf der Insel voll auskosten und viel Radeln. Rømø hat einen kilometerlangen Sandstrand der bei Ebbe sogar befahrbar ist und selbst mit dem Bike befahren werden kann. Wir haben hier eine Tour gemacht und sind vom Stellplatz mit dem Bike an den Strand gefahren.

Es ist nur wichtig, zu gegebener Zeit wieder zurück zu fahren, denn das Wasser kommt auch wieder. Dänemark hat schon damals unser Herz erobert, wir lieben die Ruhe, die dieses Land ausstrahlt und das Vertrauen in Ehrlichkeit. In Dänemark ist eine Kasse des Vertrauens sehr beliebt, ein kleiner Stand vor dem Haus mit Dingen, die selbst gefertigt oder angebaut wurden. Du kannst diese Dinge kaufen und eben im Vertrauen bezahlen. 

Auf Rømø haben wir noch eine Pferdetour gemacht. die Kinder durften mit einem sehr zutraulichen Pony am Strand reiten. Das war ein tolles Erlebnis für sie, denn es gab niemanden, der das Pferd geführt hatte, nur die beiden hatten die Verantwortung für das kleine Pony. 

Die Insel ist sehr schön und ihr könnt viel mit dem Bike erforschen, lasst das Auto stehen und fahrt mit dem Fahrrad die Insel ab, es warten gute Fahrradwege und viel zu sehen. 

Von Rømø aus sind wir nach Ribe, die älteste Stadt Dänemarks und wunderschön dazu. Hier gibt es etwas ausserhalb einen Campingplatz und mit den Bikes seid ihr schnell wieder in der Stadt. 

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Man sieht dieser Stadt die Geschichte an, mit ihrer großen sehr zentralen Kirche und der alten Innenstadt. Zudem wartet ein Wikingermuseum mit vielen Infos zur Stadt und zur Geschichte. Lieder, so finden wir, gibt es in Dänemark sehr wenig zur tatsächlichen Wikingergeschichte. Alles beginnt irgendwie ab der Christlichen Zeit, die Ursprünge und die alte Kultur um Freya und Walhalla, die Reisen der Wikinger und ihre Kultur, das alles sucht ihr etwas vergebens. Trotzdem war das Museum sehr schön und informativ. 

Weiter ging es von hier mit vielen kleinen Pausen an diversen Orten nach Kopenhagen. Wir sind über die Brücken gefahren, wirklich beeindruckend was Skandinavien hier errichtet hat. 

In Kopenhagen haben wir uns auch außerhalb, ca. 30 Minuten von der Innenstadt entfernt, einen tollen Campingplatz an einem Hafen gesucht, hier war es schön ruhig und die Nächte somit auch. Da wir ein 3,5 Tonnen Wohnmobil hatten, was als PKW gilt, durften wir in der Innenstadt von Kopenhagen parken, somit konnten wir sehr zentral etwas zum Stehen suchen und den Tag starten. Als erstes musste ein Lastend her, was haben wir uns darauf gefreut. Marit und Anni haben im Lastend gesessen und Rubi war bei Betti im Kindersitz und ist mit ihr Rad gefahren. Durch die Stadt, bis zum Hafen, nach Christiania und einfach überall hin, ging es auf diese Weise. Kopenhagen ist einfach eine tolle Fahrradstadt, wenn auch nicht perfekt. An einer Ampel in der Innenstadt, wo sich der Fahrradweg mit der Autostraße verband, endete die Fahrbahnmarkierung des Fahrradwegs (die Markierung ist knall gelb) genau auf einen Bordstein, dieser war durch die Markierung die genau auf ihm saß, nicht zu sehen.

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Es gab einen Knall und schon lag Betti mit dem Rad auf der Straße. Sie rutschte mit dem Vorderrad genau auf dem nicht sichtbaren Bordstein ab und viel mit samt dem Kindersitz auf die Straße. Am Straßenrand saß bereits ein alter Mann, der ebenso an dieser Stelle stürzte und nun auf den Krankenwagen wartetet, da er durch den Sturz Verletzungen erlitt und blutete. Betti und Rubi passierte zum Glück nichts schlimmes, bis auf blaue Flecken und einen großen Schreck.

Auch Kopenhagen ist eine große und volle Stadt, teilweise gehen die Fahrradwege direkt in den Autoverkehr über und die Markierungen wurden einfach, wie der Platz es hergab nachträglich angebracht, ihr müsst auch hier auf euch acht geben und sehr vorsichtig fahren. Sonst war alles super und die Auslagerung der PKWs aus der Stadt ist super. 

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Eine Tour ging wie geschrieben, nach Christiania, einem Stadtstaat in Kopenhagen. Hier dürfen keine Autos fahren, daher entstand hier die Idee der Lastenräder. Die gleichnamige Firma, stellt diese Räder dort auch her. Christiania ist ein Mix aus alten Häusern, einer sehr alternativen Szene und dem Geruch von Cannabis. Ein großer Markt mit viel Grün, wartet auf euch. Nein, kein Gemüse, sondern Cannabis, denn dieses könnt ihr hier legal kaufen, es ist nicht verboten. 

Der Roadtrip durch Europa geht weiter: Schweden wir kommen.

Wir haben Schweden ebenso per Brücke passiert und die Fahrt sehr genossen. Die Brücke nach Schweden ist beeindruckend, der Preis für die Überquerung aber auch! Malmö haben wir absichtlich passiert, die Großstadt haben wir nicht gesucht. Bis auf einen Ikea in der Nähe der Stadt, haben wir nichts von Malmö gesehen. Ikea zu besuchen war ein Ritual im Camper, wir haben uns meist einen halben Tag dafür Zeit genommen. Die Kinder konnten toben und wir haben dann noch etwas gegessen, da Ikea immer eine vegane Mahlzeit hat. Ebenso mussten die Grönsbullar mit, vegane Gemüsebuletten. 

Der erste Halt in Schweden mit ein paar Tagen Aufenthalt und einem Treffen mit alten Freunden, war in der Nähe von Ystad auf einem Naturcampingplatz. Es war super schön ruhig dort, jedoch gab es keine Sanitärräume mit Duschen, lediglich eine Outdoor-Solardusche gab es. Zum Glück war es Sommer und so machte es auch Spaß mitten in der Natur zu duschen. Wir haben uns hier mit Lara und Oli (Die Horlachers) getroffen, eine Familie die wir schon lange kennen.

Zu dieser Zeit lagen wieder viele Monate ohne ein Treffen hinter uns und die Freude war groß. Lara und Oli haben wir in Thailand kennengelernt, noch bevor der ganze Reisetrubel dort auf der schönen Insel Koh Phangan losging. Damals waren wir lediglich 5 Familien und es war eine wundervolle Zeit aus der bei allen Familien viel entstanden ist. Leider mussten uns Lara und Oli schon bald wieder verlassen und so ging die Fahrt für uns wieder weiter.  

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Wir haben uns immer an der Küste entlang bis nach Västervik bewegt, unser Ziel war Vimmerby, was wieder etwas mehr im Landesinneren lag. Wir waren damals schon etwas spät dran und Schweden ist sehr groß, allein diese Strecke dauerte lange und wir wollten nicht das Land einfach nur durchkreuzen. Wir reisen im Slow Travel Modus und suchen uns meistens einen Ort, an dem wir dann lange verweilen. Als große Astrid Lindgren Fans war natürlich klar, das wir nach Vimmerby mussten, Mariannelund, Katthult und das Astrid Lindgren Land waren ein großer Traum der Kinder und von uns, wir haben ihn erfüllt.

Die Zeit dort war wundervoll, das Astrid Lindgren Land war zauberhaft und wir haben, weil es so schön war, gleich 2 Tage dort verbracht. Die Kinder sind aufgegangen in ihren Geschichten, vor allem Marit hat das Schauspiel von Ronja total begeistert, zu diesem Zeitpunkt war sie noch gar nicht so tief drin in dieser Geschichte, das änderte sich ab dem Zeitpunkt aber. Die Schauspiele sind wirklich mit so viel Liebe dargestellt. Es ist kaum zu glauben, dass die Darsteller das bei jeder Show schaffen. Es ist eine klare Empfehlung von uns, dieses tolle Erlebnis einmal mitzunehmen als Familie. 

Wir haben in Mariannelund auf einem wundervollen Campingplatz gestanden, direkt an einem See. Der Camper blieb bis auf den Besuch im Astrid Lindgren Land stehen, wir haben so viel es geht mit dem Bike erkundet und auch die Einkäufe mit dem Rad erledigt. Von Mariannelund ist es nicht super weit nach Katthult und so haben wir mit den Kindern eine schöne Radtour machen können. In Katthult ist der original Michel Hof. Total irre, dort zu stehen, wo wir die Geschichte so oft gesehen haben. Alles sieht genauso aus wie in den Filmen, jeden Moment denkst du…Michel kommt um die Ecke gesprungen. Es riecht auch nach Zimtschnecken und Kaffee, es riecht in ganz Vimmerby gefühlt nach frisch gebackenem und Kaffee. Oft gibt es frischen Blaubeerkuchen und guten Kaffee, so dass es daran nie mangelt. 

Die dichten Wälder und die klaren Seen haben uns verzaubert, kein Wunder, dass so viele Menschen zu Schweden-Fans werden, uns inklusive. Die Zeit verging und der Sommer neigte sich im Norden langsam dem Ende, die Nächte wurden richtig kalt. Einen unserer Lieblingsplätze in diesem Teil von Schweden wollen wir euch noch verraten, er nennt sich: Åsens By.

Dieser Ort ist magisch! Wir standen hier 3 Nächte und haben die Eigentümer dieses Ortes extra gefragt, da es nicht erlaubt war dort zu Campen. Es war aber so schön, wir mussten einfach bleiben. Hier findet ihr eine Stadt, die wie aus der Vergangenheit erhalten geblieben ist, mit kleinen Häusern und Wegen, mit Obstbäumen und Beeren. Der Eintritt ist frei und ihr könnt dort einfach den Tag verleben und schauen wie Menschen früher einmal in Schweden gelebt haben. Direkt neben unserem Wohnmobil war noch eine große Wiese mit Pferden, einer alten Rasse, die passend zum Thema dort ihre Heimat hatten. Ebenso gab es Schweine die sehr freundlich waren. Wir haben uns tagsüber dort aufgehalten und uns mit Beeren vollgestopft. 

Im September haben wir uns in den Süden Schwedens begeben, nach Skanör. Hier haben wir noch eine tolle Zeit mit Sonne und warmen Tagen gehabt. Der Hafen hatte einen schönen Stellplatz, direkt am Meer und zum Strand war es nicht weit. Ebenso gab es Duschen für die Segler, wir hatten uns mit der Kumpel-Methode den Zahlencode ergattert 😉 und den Luxus von langen Duschen genossen. Es war eine wundervolle Zeit und nicht das letzte Mal, dass nach Schweden kommen. Es wartet noch viel Land auf uns, das nächste Mal kommen wir mit Wohnwagen und freuen uns schon darauf. 

Italien, da sind wir wieder

Die Ankunft in Deutschland haben wir nochmal mit einem Besuch bei der Familie verbunden, bevor es dann nach Italien weiterging. Mit einem kleinen Break im Harz und der Brockenbesteigung, fuhren wir direkt nach Meran. Wir kannten Meran bereits und freuten uns schon auf das mediterrane Klima, der Sommer ist hier einfach länger, wenn auch die Nächte kalt werden können. In Meran gibt es eine wundervolle, freie Schule, die wir nochmal besuchen wollten um sie Marit zu zeigen. Wir waren schon einmal dort, damals war sie gerade 2 Jahre alt. Wir wollten ihr einfach die Möglichkeit geben, eine sehr schöne und liebevolle Freie Schule zu sehen in der es ebenso keine Prüfungen gibt. 

Meran ist eine wundervolle und schöne Stadt, wenn auch etwas spießig mit dem ganzen Sissi-Flair, der sich mit dem Chick der Italiener mischt. Südtirol ist zweisprachig, Deutsch-Italienisch und so sind auch die Verkehrsschilder meist in Deutsch und oft auch zweisprachig. Wir haben natürlich auch einen Ausflug ins Sissi-Schloß und den Botanischen Garten gemacht. Unser Campingplatz befand sich in der Nähe vom Meran 2000, dem Einstieg für den Wintersport, also relativ weit oben, es machte mir (Henning) einen Riesenspaß die Strecke mit dem Mountainbike bis runter in die Stadt zu fahren, im Schuss. Leider geht es zurück die ganze Zeit bergauf und der Rucksack wird auch immer voller, denn am Wegrand liegen oft Äpfel, die von den Obstplantagen über die Zäune gefallen sind. Pssst, darf man eigentlich nicht. 

Ein spannender Moment muss aber noch hier rein, denn unser Navi führte uns nicht wie gewohnt den Weg nach Italien, sondern über den alten Alpenpass. Soweit alles gut und die Strecke war wunderschön, aber zurück ging es einfach mal fast eine Stunde bergab. Teilweise so steil dass die Motorbremse nicht mehr reichte und zusätzlich die Bremse mithelfen musste. Diese Wohnmobile sind mit den normalen Bremsen ausgestattet, die ein Sprinter hätte. Ein 3,5 Tonnen Wohnmobil hat also relativ normale Bremsen und wenn es dann mal ans Eingemachte geht, so wie eben zu diesem Zeitpunkt, müssen sie die ganze Last abbremsen und da wird es echt schwierig.

Nach einer ganzen Zeit fing es an zu stinken, aber so richtig. Es roch als wenn etwas braute und kurz darauf rauchte es auch, ebenso ließ die Bremskraft nach. Wir mussten halten und fanden eine Haltemulde, in der wir mit Handbremse zum Stehen kamen und dann mit Gang rein und Motor aus. Ich stieg aus und es qualmte höllisch vom vorderen Teil. Ich dachte wirklich etwas brennt und es war kurz davor. Die Bremsscheiben glühten und lauteten, es qualmte und alles war irre heiß. Ich hatte in diesem Moment Sorge, dass sich etwas entzündet und ich entscheid mich, auch wenn man dies nicht machen soll, lauwarmes Wasser in die Radkästen zu spritzen, zum Abkühlen. Das Problem bei solch einer Aktion ist, die Bremsen können an Qualität verlieren und bremsen dann kaum noch. Aber zu riskieren, das uns das WoMo abbrennt…das wollten wir auch nicht. Wir standen in dieser Position noch eine Weile und ließen die Bremsen abkühlen, mussten aber irgendwann wieder los und schlichen mit Schritttgeschwindigkeit und einer Riesenschlange hinter uns, den Pass hinunter. Fahrt also lieber gerade Straßen mit dem WoMo.

Weiter ging es dann zum Gardasee, genauer gesagt nach Riva del Garda. Hier haben wir über zwei Monate verbracht. Es war eine schöne Zeit, die wir nicht allein verbracht haben. Ab hier sind wir sehr lange mit einer Familie zusammen gereist und waren immer in guter Gesellschaft. Jenny und Stefan haben auch zwei Mädchen die sich gut mit unseren verstehen. Es war schön sie oft dabei zu haben. Stefan und ich haben Fahrradtouren gemacht, es war ein kleiner Traum von mir einmal von Riva in die Berge zu starten, als Belohnung gab es am Ende meist den Blick auf den See.

Wir haben in Riva direkt am See gestanden, hatten ihn quasi direkt vor der Nase und konnten vom Campingplatz in den See springen. Alles geht via Fahrrad und so sind wir als Familie einmal in der Woche zum Lokalmarkt in der Innenstadt gefahren, um uns frisches Grün und Gemüse zu kaufen. Wir lieben solche Märkte und sind traurig, wenn es die Möglichkeit, von Lokals zu kaufen, nicht gibt. Das Gemüse und Obst ist einfach so viel besser. 

Der Spätsommer war schön am Gardasee und so wurde es auch Herbst und die weite Sicht in die Berge zeigte langsam Schneespitzen, die immer mehr vom Berg bedeckten. Wir wussten zu dieser Zeit nicht so richtig, wohin es gehen soll. Portugal stand im Raum und gemeinsam mit Jenny und Stefan beschlossen wir die Reise zusammen anzutreten. Wir mussten uns jedoch beeilen, denn in diesem Jahr meinte es der Winter ernst. Frankreich und Spanien hatten bereits Schnee. Wir traten Ende Dezember mit den WoMos die lange Reise an und entschieden uns für die Route an der Küste, entlang an Monaco, Cannes, Montpellier, bis nach Barcelona.

Ab Barcelona sind wir ins Inland und haben uns für die schnellste Route entschieden. Wir passierten Monaco im Schneechaos und hatten in Frankreich mit heftigem Sturm zu kämpfen. Wir mussten einmal auch die Nacht auf einem Autobahnparkplatz verbringen, da es einfach nicht mehr ging. Wir dachten es kippt uns zur Seite, so heftig war der Wind. 

Die Mautgebühren in Frankreich mit dem Wohnmobil sind nicht von schlechten Eltern und sie sind auch zeitlich gebunden. Nachdem wir die Nacht, notgedrungen stoppen mussten und uns dann noch etwas Zeit ließen, um eine Burg zu besichtigen, die abseits des Rastplatzes lag, mussten wir an der nächsten Maut-Station feststellen, das unser Ticket abgelaufen war. Die Strafe hierfür lag bei 70 Euro. Am Eingang einer Mautstrecke wird ein Ticket gezogen und dann kommt irgendwann die Abrechnung. Bleibt mann länger als vorgegeben auf dieser Strecke, so geht es eben nicht weiter. Ein neues Ticket musste gekauft werden, welches 70 Euro kostet. 

Ich war so sauer und aufgebracht, das ich mit dem Wohnmobil stehen blieb, auf die Autobahn rannte und versuchte einen Ansprechpartner zu finden, jemanden der etas regeln kann. Vergeblich, niemand war da. Ich dachte mir: bleib einfach stehen und warte was passiert, wenn wir  den Schalter blockieren, aber das interessierte niemanden. Mich machte das so sauer, dass niemand da war, dem wir die Situation erklären konnten. Lediglich eine Hotline am Schalter mit jemandem der nur französisch sprach, gab es als Option. Französisch ist nicht meine Sprache, Betti hatte es in der Schule und kann einiges verstehen. Sie verstand, dass die Dame in der Hotline nicht helfen wollte oder konnte. Ich nahm mir also mein google Übersetzter und schrieb ein paar nette Zeilen, die ich dann der Dame mitteilte.

Europatour-mit-camper
Europatour mit camper, über 40.000 Kilometer um den Equator mit drei Kindern.

Zum Einen ist der Google-Übersetzer alles andere als perfekt und zum Anderen ist wie geschrieben, Französisch nicht meine Sprache. Ich sprach also in Berliner Slang, den Google-Übersetzer Text in Französisch in den Apparat, total gefrustet und aufgebracht. Nach ein paar Sekunden fing Betti an zu lachen und konnte nicht mehr, zu lustig hörte sich mein Text anscheinend an. Die Dame an der Hotline verstand auch nichts und mit dem Lachen löste sich mein Frust auch. Am Ende bezahlten wir die 70 Euro für ein paar Kilometer Autobahn. Bei sowas geht mir mein Temperament durch, da kann ich nichts machen. Ich bin ein sehr ruhiger Kerl, aber manchmal…da muss man seinen Mund aufmachen und seinen Ärger kund tun. Ich nehme mich nicht zu ernst, ich lache heute immer noch mit Betti über diese Situation, so auch gerade beim Schreiben. 

Wir fuhren so schnell es ging auf der Autobahn via del Sur, die A4 und dann die A49 direkt nach Spanien. Stefan und Jenny hatten ihr eigenes Tempo, wir hatten vorher schon ausgemacht, dass wir so reisen, wie es für die jeweiligen Kinder passt, ohne Druck zusammen fahren zu müssen. Wir hatten ein gemeinsames Zeil und alles andere war frei. Wir fuhren aber immer in einem guten Abstand von einander und waren meist nur einige Stunden von einander entfernt. Diese Strecke ist wirklich sehr langweilig, außer Tankstellen gibt es auf dieser Strecke nichts, nur Kilometer schaffen, Tanken und Maut. Eines Nachts haben wir dann auf dieser Strecke einen geeigneten Platz finden wollen, um eine Pause zu machen. Wie das Dorf hieß, in dem wir gestrandet waren, wissen wir nicht mehr.

Es war spät Abends und die Kinder wollten nicht mehr. Anni ist bei uns der Anti-Autofahrer, inzwischen geht es besser, aber damals waren wir froh, wenn sie 2-3 Stunden schlief. Wenn man sich jedoch vorstellt wie unbequem es sein muss, im Sitzen auf einem Kindersitz oder einer Sitzerhöhung stundenlang zu sitzen und zu schlafen, das kann man schon verstehen. Also runter von der Autobahn und ab in das Dorf. Wir fanden dann einen geeigneten Parkplatz und machten Das Wohnmobil klar zum Schlafen. Es war wirklich bitterkalt. Nur knapp über Null Grad waren es und wir merkten schnell, dass wir mit Heizung schlafen mussten. Mit Erschrecken stellten wir fest, dass etwas nicht in Ordnung war. Die Heizung ging nicht und es wurde immer kälter und später. Es war inzwischen 2 Uhr nachts und wir stellen fest, das die Gasflasche ein defektes Ventil hatte, das Gas war leer. 

Wir packten die Kinder ins Bett und legten alles, was warm hielt, auf sie drauf. Ich schlief mit Marit in der Alkove und packte sie gut ein mit meiner Decke zusätzlich, denn die Mädchen hatten sich gegenseitig zum wärmen. Ich dachte, es wird schon gehen, wenn ich mit Socken und dickem Pullover schlafe. Es war ca. 4 Uhr als ich aufwachte, weil irgendetwas wackelte. Nach einer kurzen Zeit  des Wachwerdens, merkte ich, dass ich es war der wackelte, ich zitterte am ganzen Körper und konnte nichts dagegen machen. Ich holte tief Luft und bemerkte beim Ausatmen, dass ich meinen Atem sehen konnte. Es waren inzwischen unter null Grad, draußen und im Camper und alle hatten weiße Gesichter und der Atem war zu sehen. Ich konnte so nicht schlafen. Ich hatte sowas wie einen Kälteschock.

Ich kroch nach vorn ins Fahrerhaus und machte das Wohnmobil an, damit sich die Temperatur durch die Lüftung erwärmen kann. Wir standen allerdings in einer Wohnsiedlung und der laufende Dieselmotor sorgte sicher nicht für Begeisterung. Ich hatte so die Schnauze voll von dieser Fahrt, dass ich mich entschied ganz langsam auf die ewig lange Autobahn zu fahren und die Fahrt fortzusetzen. Die Mädchen schliefen weiter und Marit kroch um 8 Uhr morgens nach vorn ins Fahrerhaus, um schauen was los war. Sie fragte dann: Papa, du fährst ja! 

Ich erzählte ihr alles und später wurden alle anderen wach. Wir machten eine Pause auf einer Raststelle und aßen Frühstück.

Es war unsere erste Fahrt im Wohnmobil. Wir hatten vorher keines und glaubten an alles gedacht zu haben. Wir hatten selbst Adapter für die unterschiedlichen Gasflaschen in den jeweiligen Ländern. Denn jedes Land, hat seine eigenen Anschlüsse auf den Flaschen, es wäre ja zu einfach! Unser Adapter passte aber nicht. Erst wieder in Portugal fanden wir passende Flaschen. Bis dahin konnten wir somit keine neue Flasche anschließen und weiter schlafen, so einfach war das leider nicht.

Wir sind niemals, bis auf dieses Mal, so mit dem Camper gefahren, die Kinder waren immer in ihren Sitzen und uns war das sehr wichtig. In dieser Nacht war alles anders, wir wollten nicht erfrieren. Es ist oft so im Camper, wenn ihr wirklich unterwegs seid und nicht nur von Campingplatz zu Campingplatz huscht, dass ihr einfach nehmen müsst, was kommt. Ob Raststätte, fremde Stadt in der Nacht, Kälte und oft unvorhersehbare Momente. So ist das Leben im Camper und vor allem, wenn es gleichzeitig euer Zuhause ist und ihr auf einem Roadtrip durch Europa seid in vielen Ländern.

Portugal ist einfach zauberhaft

Wir fuhren dann sehr gut durch bis nach Portugal und erreichten unser Ziel in Lagos Espiche. Hier wartete ein Campingplatz mit allen Annehmlichkeiten wie Dusche und Strom auf uns. Zudem waren schon viele Familien hier die ebenso auf der Reise nach Portugal waren, um dort zu überwintern. Es war ein schönes Ankommen, wir hatten auf einen Schlag Freunde, Kinder und eine sichere Umgebung zum spielen. Betti und ich standen erstmal eine halbe Stunde unter einer heißen Dusche, wuschen Wäsche und genossen das Kinderlachen. Auch Jenny und Stefan kamen mit etwas Verzögerung gut an. Wir verbrachten auf diesem Campingplatz genau einen Monat, feierten hier Weihnachten und genossen das Zusammensein. Danach wechselten wir immer zwischen Freistehen und Campingplatz, um wieder zu waschen und zu duschen. 

Es gibt sicher noch schönere Strände oder Stellplätze, aber dieser hatte einen guten Parkplatz mit Sicht aufs Meer, meist in Gesellschaft von anderen Reisefamilien und Surfern, Infrastruktur wie ein gutes Café mit W-Lan, Einkaufsmöglichkeiten, eine Dumpstation, um Altwasser loszuwerden sowie Wasser für das Klo und Frischwasser zu tanken, einem Skatepark, usw. Sagres ist Surfculture und es war ein tolles Gefühl, morgens aufzustehen und erstmal mit dem Board ins Wasser zu springen. Das war ein gutes Leben! Einschlafen mit den Wellen im Ohr, aufwachen mit Wellen im Ohr, die Sonne brannte und nach einem Tag am Wasser ging es abends wieder ins WoMo zum Abendessen kochen.

Es gibt viele schöne Strände, wirklich unglaublich schöne, die eine atemberaubende Sicht bieten und alles ist umsonst. Nur für dich, in diesem Moment. Wir sind sehr dankbar diese Zeit erlebt haben zu dürfen, ohne einen Grund auf Wiederkehr, einfach nur da sein, dort am Ende der Welt und ohne das Wissen was als nächstes kommt. 

Wir haben schon früh, vor ca. 10 Jahren, Dinge anders gemacht, haben am Tellerrand vorbei geschaut und wussten da geht mehr, mehr Erfahrungen. Uns geht es nicht um Reichtum, oder darum in einer Segeljacht die Welt zu erkunden. Uns geht es um Erfahrungen, die wir machen dürfen, ob sie nun schwierig oder schön sind. Sie waren wichtig und wir wollten sie. Wir sind heute die, die wir sind, weil wir erfahren, erlebt und gelebt haben, weil wir mutig waren und weil wir Dinge nicht einfach hinnehmen, weil wir unsere Freiheit bewahren wollen, vor allem unsere persönliche. Jeder Mensch hat das Recht zu tun was er will, solange er niemandem schadet. Lasst euch niemals die Freiheit nehmen für euch zu entscheiden und es ist ganz klar, es wird nicht einfach und es wird steinig, aber genau darauf kommt es doch an in diesem Leben: es zu leben. 

Aber wieder zurück zu Portugal. Wir haben euch einige unserer Lieblingsplätze aufgelistet, die ihr unbedingt sehen müsst. Die Algarve ist besonders schön und ruhig vom Herbst bis zum Frühling, bevor der Tourismus kommt und mit ihm auch die Hitze. Die Westseite ist besonders schön, von Sagres aus könnt ihr auch an der Küste entlang bis nach Sintra schlängeln. Sintra ist wie aus einem Disney-Märchen und oben auf einem Berg ist das Schloss, ebenso wie aus einem Märchen mit Fabelwesen in Stein gemauert. 

Zu Sintra gibt es auch wieder so eine Geschichte, die uns aufatmen ließ, ähnlich beim Alpenpass. Wir wollten das Schloss besuchen und suchten etwas zum Parken, der Weg nach oben war lang und wir fanden nichts Ausgeschildertes. Betti nahm sich also eine Karte und entschloss sich der Straße zu folgen, die zum Schloss führte. Die Busse fuhren ja auch nach oben. Also gesagt getan, los gehts. Die Straße wurde dann immer enger, einspurig und es wurde immer steiler. Es wurde dann noch steiler und sehr voll, ich dachte die ganze Zeit nur: bitte nicht bremsen!! Wenn es so steil nach oben geht, muss der Frontantrieb die ganze Last nach oben ziehen und auch die Kupplung muss die ganze Last aushalten.

Wenn dann in solch einer Steigung ein Stopp kommt, sind das irre Kräfte, die da auf die Kupplung wirken bei Anfahren. Und dann kam genau dieser Moment. Wir stoppten an einer Steigung, die einfach nur krass war (das muss was bei 45 Grad gewesen sein). Ich drehte mich zu Betti und sagte, das wars, der schafft das nicht mehr, der fährt nicht mehr an. Hinter uns war inzwischen eine lange Autoschlange, wir standen auf dieser Steigung und ich überlegte nur, wie man uns hier rausholen will (Hubschrauber?). Die Kupplung roch als wenn sie schon durch wäre und allein vom Verstand konnte das nicht funktionieren. Wir warteten also bis vor uns alles leer war und dann versuchte ich es, wir hatten keine Chance und tatsächlich, mit üblem Kupplungsgestank schaffte unser Ford Transit es doch tatsächlich nach einiger Zeit ins Rollen zu kommen Irre! Was hat dieses Auto alles durchgemacht und was hat es alles geschafft, einfach nur ein tolles Auto!

Wir fuhren dann den Berg wieder runter, vorbei am Schloss, denn oben durften wir nicht parken 🙂 Wir fanden dann im Dorf einen Parkplatz, hielten einen Mann an der uns in seinem Cabrio den Berg hochfuhr für ein paar Euros. Das reichte mal wieder an Adrenalin.

Wir sind dann noch 3 Tage nach Lissabon und haben die Stadt erkundet. Parken ist leider sehr schwierig mit dem WoMo und ihr müsst schauen wo genau ihr euch hinstellt. Einbrüche sind hier nicht selten. Wir hatten die Situation, auf einem Parkplatz zu landen, wo WoMo-Eigentümer an ihrem zerbrochenem Fenster standen. Wir haben uns nachts genau an der Praca do Imperio hingestellt, an einem Park, wo tagsüber Busse parken konnten. Hier war es sehr gut zu stehen, wenn es auch manchmal komisch war, da wir auch mitten in einer Großstadt standen. 

Von Lissabon aus ging es dann nach Nazare, der Ort mit den höchsten Wellen der Welt. Leider gab es keine Big Waves in dieser Zeit, aber die See ist sehr unheimlich und stark hier. Eine starke Strömung mit fast immer hohen Wellen macht das Baden hier fast unmöglich. Für erfahrene Surfer mit Wetsuite und Board ist das alles möglich, planschen sollte hier aber kein Tourist. Wir standen direkt am Wasser und konnten den Leuchtturm auf dem Felsvorsprung sehen. 

Unser nächstes Ziel war der Nationalpark Montesinho, einem Naturgebiet mit viel Wald. Hier machten wir wieder eine Weile Rast auf einem Naturcampingplatz mitten im Wald. Es war sehr schön hier und lange Wanderungen sorgten erstmal für Ausgleich nach dem vielen Fahren. Nach einer Weile ging es dann weiter, quer durch Spanien auf direktem Wege nach Biarritz in Frankreich. Diesen Ort wollten wir schon lange mal sehen, leider spielte das Wetter nicht so recht mit. Biarritz ist auch ein Surfer Hotspot und eine sehr schöne, alte Stadt mit einer wundervollen Architektur. Ebenso wartete eine Belohnung auf uns, einem Store mit veganem Eis und es war mega lecker. Wir hatten schon lange kein Eis mehr gegessen aus dem Mixer, frisch und gesund, es war göttlich. 

Die Zeit im Camper ist auch immer ein Stück Entbehrung vom Luxus. Nicht alles ist verfügbar, Gelüste oder Wünsche können meist nicht erfüllt werden. Ebenso ist Sparsamkeit hoch im Kurs. Denn mit einem 150 Liter Tank Wasser, haben wir immer nur abgewaschen. Wir haben niemals groß gesucht, wenn wir on the Road waren, wir sind mit 150 Litern meist 3-4 Tage ausgekommen, mit 5 Personen. Wir haben in diesen 1,5 Jahren gelernt, was Verzichten heißt und was Sparsamkeit bedeutet. Und wir haben erfahren dürfen, dass es uns trotzdem gut geht. Wir brauchen nicht viel zum Glücklichsein und haben uns sehr von allem Ballast entwöhnt.

Es ist auch eine gewisse Leichtigkeit zu wissen, dass wir glücklich sein können, ohne den ganzen materiellen Kram und Luxus. Ich will nicht sagen, dass wir das schöne Leben nicht mögen, im Gegenteil, wir haben es auch gerne schön und lieben es in die Sauna zu gehen, aber wissen, wir sind auch ohne dies glücklich. 

Die Rückfahrt unseres Roadtrip durch Europa

Von Biarritz ging es querfeldein durch Frankreich bis in die Schweiz und dann nach Österreich. Hier machten wir wieder einige Zeit Stopp in Dornbirn wo auch die Idee gereift ist, in Österreich einen Versuch zu wagen, eine Homebase aufzubauen. Wir hatten nach all dieser Zeit genug vom Leben im Camper, vom ewigen fahren und leben auf dem Parkplatz. Ein Roadtrip durch Europa mit Kindern, also 5 Personen im Camper ist auch anstrengend. Wir hatten viel gelernt und erfahren, wussten nun etwas mehr darüber was wir wollen und was nicht. Diese tolle und sehr intensive Zeit im Camper hat uns an Orten leben lassen, die wir vorher nur von der Karte kannten und wir hatten damals nicht gedacht, das wir in den 1,5 Jahren mehr als 45.000 Kilometer fahren würden. Das ist etwas mehr als der Äquator um die Erde reicht (wir haben kilometertechnisch einmal die Erde umrundet). 

Reisen ist immer auch eine Horizonterweiterung, reisen ist intensiv. Betti und ich haben einfach gemerkt, dass wir den Ausgleich brauchen von einem Zuhause. Wir reisen unheimlich gerne und das Fernweh ist ein Teil von uns, aber wir brauchen immer auch ein Zuhause zum Ankommen und Fallenlassen. Unser Lieblingskonstrukt war das schon vorher, aber wir wollten eh den Wohnort wechseln, weil wir in Deutschland kein Homeschooling ausleben können. Daher war die Reise auch eine Art Suche, wo es uns in Zukunft gefallen könnte. Dass es am Ende Österreich wird, hätten wir nicht gedacht, aber letztlich war es auch nicht der richtige Ort für uns…das ist aber eine andere Geschichte und auch in einem Beitrag festgehalten. 

Wenn ihr Tipps braucht, zum Leben im Wohnmobil oder einem Roadtrip durch Europa im Wohnmobil mit allem was auf euch zukommt und was ihr wissen solltet, dann checkt unseren Beitrag dazu: Leben im Wohnmobil

Nach 1,5 Jahren im Camper mit drei Kindern wissen wir einiges und haben auch die besten Stellplätze markiert. Ebenso gibt es Tricks, die euch das Leben einfacher machen als WoMo-Nomaden. Wir wünschen euch viel Spaß mit der Planung oder dem Träumen, von eurem Roadtrip durch Europa. Es ist eine tolle Reise, die ihr sicher niemals vergessen werdet. Macht euch auf und fangt an zu leben.  

P.S. Wenn ihr wissen wollt welche Dinge wirklich wichtig sind für ein Leben im Wohnmobil, dann schaut mal hier!