Einen Roadtrip durch die USA, diesen Traum haben viele Menschen und auch wir dachten uns damals: wow! wie toll wäre eine solche Reise. Wir hatten damals viele Vorteile über die USA und ihre Menschen gehört. Die Idee in die USA zu reisen entstand langsam. Wir hatten damals nicht viel Geld, lediglich unsere letzten Rücklagen aus der Zeit als Angestellte waren noch da. Gerade hatten wir uns selbstständig gemacht und standen seit einem Jahr auf eigenen Füßen, mit allem. Es war das erste Mal, dass der Wunsch zu reisen in uns aufkam, sprich länger zu reisen und vor allem nicht als Pauschalurlaub. Wir wollten Abenteuer und so viel wie möglich sehen auf unserer Reise. 

Wer einmal über eine USA-Reise nachgedacht hat, weiß, da kommt schnell Geld zusammen und es ist keine günstige Reise! Im Gegenteil! Allein die Flüge sind teilweise schon sehr teuer. Wirt waren weiterhin ungewiss und konnten keinen klaren Entschluss fassen, die Sicherheiten aufgeben und damit reisen, oder lieber die Sicherheiten behalten und bleiben, wo wir sind. Jede Reise verändert dich, dein Horizont wächst und du bist nie wieder der gleiche Mensch wie vor der Reise. Es dauerte etwas und dann gab es da diesen Augenblick im Auto. Betti war mit Anni gerade beim Yoga für frisch gebackene Mütter und ich saß im Auto mit Marit, die eine Pause machte und schlief. Ich hörte mir auf Youtube, ich weiß nicht mehr genau wie ich dazu gekommen bin, einen Auftritt von einem Poetry Slam an, genauer gesagt von Julia Engelmann und ihrer Version von One Day Baby:

Eines Tages Baby, da werden wir alt sein und über all die Dinge reden…die wir nicht gemacht haben! Lass mal Dopamin verschwenden. Ich saß da und hatte feuchte Augen, weil es einfach so eindringlich war in diesem Moment und ich fühlte einfach wie die Emotionen nur so hochkamen und alles in mir endlich Abenteuer erleben wollte. Wir hatten uns zu diesem Zeitpunkt viel getraut und anders gemacht, waren nicht mehr angestellt, hatten zwei Kinder mit wundervollen und selbstbestimmten Hausgeburten und lebten vegan. Wir hatten also schon Mut und unsere Überzeugungen, aber der Schritt dies alles nun mit einer Reise zu krönen, war ein unglaubliches Hochgefühl. Damals wussten wir noch nicht, dass diese Reise unser ganzen Leben grundlegend ändern würde. Danach waren wir entfacht von den Möglichkeiten und Dingen in der Welt, vom Reisen und vom selbstbestimmten Leben. 

Wir entschieden uns also, wir nahmen unsere Ersparnisse vom Konto und Flüge wurden gebucht. Und dann ging es nach Florida, ohne Hotel und ohne eine genaue Route. Wir hatten lediglich einen Air BnB Stay gebucht und somit 3 Tage Zeit zum Planen vor Ort. Der Roadtrip durch Florida begann. 

Wenn es eine Reise gab, die unsere Lust auf Reisen entfacht hat, dann war das Florida! Ein magischer Ort zum Reisen mit so vielen Einflüssen. Wir hatten uns vorher keine Route überlegt, wir sind in allem sehr spontan und so lieben wir es auch zu reisen. Lediglich die Unterkunft für die Ankunft in Florida hatten wir über Air bnb gebucht in Miami Beach. 

Ankunft am Flughafen in Florida

Nach einem sehr langen Flug und zu viel Filmen hatten wir es endlich geschafft. Wir landeten in Florida, genauer gesagt in Miami. Wir waren glücklich und aufgeregt auf das was vor uns lag. Am ersten Schalter angekommen stand eine Dame mit einer riesigen Erscheinung vor uns: Polizei, Passkontrolle. Sie schaute uns streng an und nun folgten einige direkte Fragen: wie, warum seid ihr hier, was arbeitet ihr, wieviel Geld habt ihr auf dem Konto, usw. 

Etwas nervös und eingeschüchtert von solch privaten Fragen, gaben wir unser Bestes und durften am Ende passieren. Puh, dachten wir. Einige Geschichten, von Reisenden, die an der Passkontrolle nicht weiter konnten, hörten wir bereits, wenn der officer dort denkt, du passt ihm nicht, dann geht es halt zurück. 

Aus dem Flughafen raus, holten wir unseren riesigen SUV ab. Ich erinnere mich noch genau wie das war. Die Ladekante vom Kofferraum war so hoch wie ein Wickeltisch, super praktisch. Ein so riesigen SUV hatten wir noch nie gefahren und spätestens auf der ersten Straße, relativierte sich dieses Gefühl, denn es gab noch größere Autos. Ein Audie Q7 fuhr neben uns und wirkte wie ein Kleinwagen, unglaublich. 

Die erste Fahrt ging nach Miami Beach zu unserem Air bnb Stay, wo wir drei Nächte blieben, um die Planung zu beginnen. Wir hatten uns gedacht, alles mit Air BnB zu organisieren, um Geld zu sparen, denn selbst ein schäbiges Motel kostet schon ab 100 Dollar aufwärts. Bevor es aber weitergehen konnte, mussten wir einkaufen und wussten schon genau wo: bei Wholefoods. 

Wholefoods ist ein Himmel auf Erden für Veganer und Health Food lover, total irre! Ein riesiger Supermarkt mit einem unglaublichen Angebot an gesunden Lebensmitteln. Wir deckten uns ein mit Lebensmitteln und frischen Smoothies und luden das Auto mit vielen Tüten voll. Der einzige Nachteil ist, es ist super teuer und so ein Einkauf kann extrem ins Geld gehen. Trotzdem waren wir glücklich. Mit einem großen Hunger wurde, erstmal ein richtiges Abendessen zubereitet. Die Unterkunft war wirklich toll, American Old School Chick mit einem alten Motorrad in den Räumen. Wir kochten damals Kartoffeln, mit einem dicken Salat und frischem Humus. Dieses Essen wurde unser Lieblings-Standard-Essen in Florida. Es war so unglaublich schön dort zu sein, so warm, so weit weg, so anders, wir liebten es! 

Unsere Route legten wir wie folgt fest: von Miami sollte es auf die Keys gehen, dann wieder zurück nach Homestead, einmal durch die Everglades zum Flamingo Visitor Center und nach Everglade City, nach Fort Meyers und Sanibel und Homosassa sowie Cristal River. Von dort dann nach Mount Dora und Orlando, Cocoa Beach und wieder zurück nach Miami. 

Die Keys

Zu einem Roadtrip durch Florida gehören die Keys. Sie sind wunderschön und wenn ihr einmal die sie durchzogenen Straße erlebt, werdet ihr euch verlieben. Wunderschöne Strände und Tiere warten auf euch, sowie purer USA Flair. Wir machten unseren ersten Halt in Marathon, was ungefähr mittig der Keys liegt. Hier stiegen wir in einem relativ preisgünstigen Hotel ab, ein wirklich verrücktes Hotel mit sehr vielen Katzen. Das Hotel nannte sich Sandpiper und war in der Nähe vom Turtle Hospital, welches wir auf jeden Fall besuchen wollten. Hier werden verletzte Schildkröten aufgenommen, wieder aufgepeppelt oder bleiben ihr Leben lang dort, weil sie zu sehr beeinträchtigt sind. Die meisten von ihnen werden durch Boote verletzt und kommen in die Schrauben. Es war sehr schön dort zu sein und zu erleben wie sich die Menschen dort kümmern. 

Weiter ging es nach Key West, einer schönen und alten Stadt direkt am Ende der Keys. Hier hat auch Hemingway sein Haus gehabt, welches man besuchen kann. Meistens ist es aber voll und da er ein leidenschaftlicher Jäger war, hatten wir wenig Liebe für ihn 😉 

Ein Tipp von uns ist der Bahia Honda Star Park. Es ist toll zum Baden und man hat einen tollen Blick Richtung Festland. Bei uns war die eine Seite des Strandes allerdings gesperrt wegen Manowarquallen, also blieb uns nur eine Seite für den Badespass. Nach dem Baden gingen wir die alte Highway Brücke hoch. Ein alter Highway führte hier mitten ins Nirgendwo auf einer Brücke, zum Befahren gesperrt, denn es fehlte ein großes Stück der Straße. Es sah irre aus von dort oben, wir standen auf dieser Brücke und sahen hinüber auf die andere Seite und die Straße schien einfach aufs offene Wasser zu führen, ins Nirgendwo. 

Wie wir dort oben so standen und hinunter schauten, sahen wir rechts unseren Strand und nur unweit davon entfernt, etwas mittig der beiden Strände schwammen einige Haie. Es war ein komisches Gefühl, zu wissen mit freien Haien im gleichen Wasser zu schwimmen. 

Kurze Anmerkung: Amerikaner 

Solltet ihr einmal Fragen haben, scheut euch nicht zu fragen. Wir haben so tolle Erfahrungen gemacht und unsere Vorurteile waren sehr schnell dahin. Jeder versuchte uns zu helfen und niemand gab uns das Gefühl mit der Frage zu stören. Es wurde immer alles stehen und liegen gelassen um uns zu helfen. Das war großartig! Nicht zu vergleichen mit Deutschland. 

Homestead

Von den Keys herrunter ging es erstmal wieder zu unserer Zwischenstation in Homestead, wo wir auch wieder ein tolles Air BnB stay bei einer jungen Familie hatten. In einer Art Wohngegend, gesichert wie ein Hochsicherheitstrakt, verbrachten wir 3 Tage um weiter zu planen und einzukaufen, bei Wholefoods natürlich. Wir sind von hier direkt in die Everglades gestartet und weiter in den Norden. Sonst hat uns an dieser Stadt nichts gereizt, sie ist einfach nur groß und laut. 

Everglades

Aus Filmen kannten wir einen bestimmten Flair, das kommt einem wieder so ins Gefühl, wenn du das siehts. Luftkissen Boote, Amerikaner mit Trucker Cappy auf und Gewehren in der Hand – es war wie im Film. Die Everglades sind auf einer langen Straße befahrbar und als Europäer solltet ihr unbedingt darauf achten, wo ihr stehen bleibt, pinkeln geht oder eine Rast macht. Wir sind es gewohnt überall sein zu können, das geht dort aber nicht. Wir sind des Öfteren ins Fettnäpfchen getreten und es wäre 1-2 Mal etwas dramatisch enden können. Zum Glück ist es das nicht. 

Alligatoren, wohin das Auge reicht und meist in geringer Entfernung. Es gibt Wandertrails entlang am Wasser und über lange Stege. Überall liegen Alligatoren und ich kann mich noch heute daran erinnern wie Marit ständig fragte, ob man die streicheln kann. Manchmal läuft man auf einem Steg durch die dichten Mangroven-Wälder und hört dieses dunkle Grummeln der Alligatoren und einen Vogelschrein – Gänsehaut-feeling. Daneben verzaubern aber zahlreiche Vogelarten, die ihren Winter hier verbringen, ihre Flügel ausbreiten und sich sonnen. Schaut euch einfach die Bilder an, so habt ihr ein Verständnis für die geringe Distanz zu den Tieren, wirklich unglaublich. 

Ihr könnt die Everglades bis zum Flamingo Center verfolgen, dort wartet ein etwas sicherer Platz auf euch, wo ihr nicht mehr Schwitzen müsst…Alligator freie Zone, so scheint es. Hier wird euch eine Manati Garantie gegeben, die süßen Seekühe sind wirklich zum Dahinschmelzen. 

Marit und ich machten uns gleich auf die Suche nach ihnen, in einem großen Hafenbecken mit stillem Wasser konnten wir eine Seekuh mit ihrem Jungem entdecken. Beide kamen auch gleich zu uns geschwommen. Sie sind sehr zahm und zutraulich, daher aber auch Opfer von Verletzungen durch Motorboote. Sie sind relativ langsam im Wasser unterwegs und können daher kaum ausweichen. Wir streichelten sie mit unseren Füßen im Wasser und auch wenn es nicht so scheint, so ist dort im Hafen mit Zugang zum offenen Wasser eine andere Gefahr im Wasser: Krokodile. Es bleibt also immer spannend und niemals sicher in diesen Gewässern. 

Everglade City

Nach langen Wanderungen und Hitze machten wir uns wieder auf, raus aus den Everglades in sicheres Gefilde, wo du nicht bei jedem Stopp ganz genau schaust, ob da etwas im Gebüsch sitzt. Wir waren bei einer Wanderung 4 Stunden in senkender Hitze unterwegs (auf dem Schild war viel weniger angegeben) mit jeweils einem Kind auf dem Rücken und Rücksack am Bauch. Dazu die dicken Büsche und weit und breit kein Mensch. Es war manchmal wirklich ulkig und auch etwas unheimlich. Letztendlich sind wir jedenfalls heil in Everglade City angekommen. 

Dieser Ort ist super schön, hier ist die Zeit stehen vor 100 Jahren geblieben. Alles ist wie früher, als noch Oldtimer die Straßen durchquerten. Wir haben uns im Rod and Guns Club (war voll unser Name) eine wirklich schöne Unterkunft gegönnt und fühlten uns wie Zeitreisende. Es war toll einmal wieder in einem Bett zu schlafen, mit schöner Bettwäsche und etwas Deko im Zimmer. 

Der Rod and Guns Club hatte ein Haupthaus mit viel Geschichte. Überall hingen alte Zeitungsausschnitte, die von der Vergangenheit erzählten, vom Drogenschmuggel in Booten aus Kuba und von Persönlichkeiten. Ein wirklich magischer Ort war das. 

Sanibel

Wir hatten genug von Alligatoren und wollten wieder etwas Beach Feeling spüren. Wo sonst als auf Sanibel, der Lieblingsinsel der Amerikaner geht das ohne Probleme. Über eine große Brücke kommt ihr direkt auf die kleine Insel und merkt gleich, hier sitzt das Geld. Alles ist schön in Schuss und ein Hauch von Urlaub liegt in der Luft. Mit viel Fragen und viel Charme konnte ich eine freundliche alte Dame davon überzeugen, uns für weniger Geld aufzunehmen, da wir uns die Unterkünfte einfach nicht leisten konnten. Konnten wir so auch nicht, aber es war etwas günstiger und anstelle von knapp 300 Dollar haben wir nur 200 Dollar gezahlt pro Nacht. 

Marit redet heute immer noch von Sanibel, dieser Ort ist in ihrem Kopf geblieben und oft erzählt sie, sie will irgendwann wieder dahin. Die wundervollen Strände sind voller Muscheln, es wirkt als hätten Lastwagen diese Muscheln dort abgeladen und vor allem sehr große! Die Zeit war sehr schön auf der Insel und wir erinnern uns gerne daran zurück,. Es war einer dieser magischen Orte, die immer in Erinnerung bleiben. 

Homosassa und Cristal River

Eines Tages fand Betti einen Artikel über das Meermaid Theater in Homosassa Springs, einem Unterwasser Theater mit richtigen Meerjungfrauen, welche über kleine Luftschläuche, die im Wasser hingen, immer wieder Luft auftanken konnten. Wir legten also fest, das wird unser nächstes Ziel und schon ging es weiter in den Norden. Die Highways sind dabei immer so eine Sache, denn in den USA gibt es keinen TÜV. Somit ist es nicht selten, dass einem Reifen entgegen kommen oder andere Autoteile einfach auf der Straße liegen. Wir sind so viel gefahren, es war manchmal kein Spaß denn gerade Anni ist jemand, die noch nie gerne Auto gefahren ist. 

Wir besuchten das Theater und waren sehr begeistert. Hier hatte Marit ihre Liebe für Meerjungfrauen und das Tauchen entdeckt. Noch heute schwimmt sie mit einem Fischschwanz einer Meerjungfrau durchs Wasser und taucht irre lange im Wasser, macht Rollen und liebt das Spiel im Wasser. Schaut euch das kleine Theater bitte an, wenn ihr einmal in Florida seid. Es lohnt sich und gerade solche kleinen Einrichtungen verdienen es zu überleben. 

Wir hatten uns ein Motel in Cristal River gesucht. Weit draußen von allem entfernt, machten wir uns auf den Weg durch dichte Wälder mit Autowracks. Alles sah aus wie aus der Zeit der Moonshiner, die Bäume hingen voll mit Moos und unser Bild der Südstaaten passte wie die Faust aufs Auge. Angekommen im Motel, war es noch schön mild und Musik klang durch die Nacht. An einem Hafen lag eine kleine Bar, Air Boote waren angelegt und der eine oder andere Truck stand dort. Marit wollte unbedingt nochmal zur Musik, also gingen wir beide los. 

Angekommen war ich etwas zögerlich, die Leute hier waren wie Statisten aus einem Südstaaten-Film, Trucker Cap, Country Musik und teilweise komische Gesichter. In diesem Augenblick kamen ein paar junge Leute auf die Bühne und fingen an modernen Country zu spielen, wirklich der Hammer! Ich habe seit dem eine kleine Vorliebe für solche Musik, der Klang der Gitarre, wenn die Finger noch über die Saiten ziehen, dazu Geige, total cool. Die Leute sahen uns und kamen gleich auf uns zu, fragten woher wir kamen und wie in Gottes Namen wir von Berlin nach Cristal River kommen, hier kommt doch niemand her! Es war ein toller Abend, mit Marit auf der Bar, die sich freute über die Musik. Ich musste eine Bud trinken und tat es auch, ich wollte keinen Stress mit einem Südstaaten Redneck 🙂

Mount Dora

Mount Dora ist der höchste Punkt von Florida, was aber nicht bedeutet, dass es sich wie dem Namen zum Anschein um einen Berg handelt. Ihr merkt nicht wirklich, dass dieser Ort höher liegt, aber er ist wunderschön. Auch hier ist die Zeit stehen geblieben und der Ort mit seinem Charme ist traumhaft. An einem Hotel am See machten wir etwas Pause mit den Kindern, ein altes Wasserflugzeug stand hier und alles lud einfach ein, um ein wenig zu verweilen. Die Kinder planschten am Wasser und freuten sich über die kleine Abkühlung auf dem Gelände des Hotels. Irgendwann bemerkten wir jemanden der auf uns zu rannte und wild winkte. Wir drehten uns um und wussten nicht so recht, was er wollte. Irgendwann verstanden wir seine Worte: Alligator!

Wir zogen die Kinder so schnell es ging aus dem Wasser und rasten in Richtung des Mannes. Er sagte uns, wir müssen ein Riesen-Glück haben, denn in diesem See sind Alligatoren und der sei nicht zum Baden. Uns war wirklich schlecht in diesem Moment, uns war kalt und wir suchten nach Hinweisen und Warnschildern dafür. Nichts…

Das ist einfach auch Amerika, nicht überall ist ein Hinweis, nur die Einheimischen wissen was los ist. Touristen stehen dann vor vollendeten Tatsachen. Wir hatten großes Glück und hatten mal wieder keine Lust mehr auf Alligatoren 🙂 

Orlando

Betti und ich hatten einen Kindheitstraum, der uns nie erfüllt wurde. Wir sahen die Filme und wuchsen mit den Geschichten auf, träumten davon einmal dort zu sein. Unsere Mädchen kannten diesen Ort, aber nur von unseren Erzählungen. Nicht zu viele Geschichten sind ihnen geläufig, da sie mehr mit Astrid Lindgren aufgewachsen sind. Die Rede ist von Disney Land und wir freuten uns sehr nun endlich einmal dort zu sein. Wir werden auch wieder kommen, selbst wenn wir mal alt sind, aber wir kommen wieder, denn dieser Ort ist einfach ein Stück Magie. 

Unsere Unterkunft hatten wir wieder mit Air BnB gesucht und wohnten bei einer jungen Lehrerin in einem tollen Haus. Sie hatte zwei winzige Hunde, was Marit sehr freute. 

Wir haben einen ganzen Tag in Disneyland verbracht und hätten noch zwei Tage ran hängen können, zu viel ist dort zu erleben. Die ganzen Geschichten und Figuren, die wir aus der Kindheit kennen… es war für alle ein schöner Tag. 

Disneyland

Eine Story gab es auch wieder. Wir hatten einen Defekt in einer Bahn und mussten zu Fuß aus der Bahn geführt werden, dafür bekamen wir einen Speedpass, mit dem man sich nicht anstellen muss. An einem Karussell oder einer Station fragten wir, ob das mit Baby zu fahren sei. Wir wollten ja keine schnelle Bahn oder dergleichen fahren. Anni war gerade 4 Monate alt. Die Dame sagte klar, kein Problem ,ist nicht gefährlich, Baby kann mit. Also rein in die Bahn und los. Von außen war auch wieder kein Hinweis, lediglich einige süße Bilder und eine Hinweis, was man essen kann. Nach dem Start rollten wir etwas und auf einmal wurde es dunkel, dann fielen wir einige Sekunden nach unten und landeten im Wasser. Betti krallte Anni so fest sie konnte, da sie nicht angeschnallt war oder richtig sitzen konnte. Diese Fahrt war krass und endetet in einem Wasserbecken, danach ging es gemütlich durch eine kleine Landschaft. 

Nehmt euch mindestens 3 Tage und am Besten mit Unterkunft im Disneyland selbst, so sind die Wege nicht soweit. Es gibt sogar einen Starbucks mit gutem Soja Cappuccino im Stil von Disney.

Am Abend haben wir am großen Umzug teilgenommen, die Kinder hingen in unseren Armen und schliefen währenddessen ein. Sie waren so platt, dass selbst Schloss Schornstein und all die bunten Lichter nichts mehr tun konnten. 

Miami

Wieder zurück in Miami ging die Suche nach einem Stay wieder los, wir wollten noch etwas in der Stadt bleiben und den Ocean Drive sehen, etwas baden und unseren Wholefoods genießen. Unsere vorletzte Unterkunft war ein kleiner Albtraum und lag in einer Gegend, die alles andere sicher schien. Nach 2 Tagen reklamierten wir bei Air BnB und zogen in eine andere Wohnung. Nachts war so ein Lärm, wir waren inmitten eines Latino Blocks. Überall Kippen auf dem Boden, Geschrei und die Tür war so unsicher, dass selbst ein Kind sie hätte aufbrechen können. Den letzten Tag nutzten wir noch für eine Fahrt in den Wholefoods, um etwas zum Essen für den Flug zu kaufen. Marit und ich machten uns auf den Weg und standen dann auf dem Rückweg, ohne Handy in einem Mega Stau. Betti saß wie auf Kohlen und wusste nicht was los war. Wir schafften den Flug aber noch rechtzeitig und landeten sicher in Deutschland. 

Dies war unsere erste Reise, als Roadtrip ohne Buchungen, flexibel und frei. Wir haben hier viel mitgenommen und vieles hat sich in uns verändert. Auch wenn wir zu diesem Zeitpunkt alle Sicherheiten aufgegeben hatten, so haben wir aus der Reise mehr zurück bekommen, denn sie hat unser Leben grundlegend verändert. Sie legte den Grundstein für unser Leben heute und unsere Flexibilität. 

In Berlin gelandet haben wir schnell die deutsche Unfreundlichkeit bekommen, schlecht gelauntes Flughafenpersonal, unfreundliche Gesichter und meckernde Menschen. 

Eines haben wir von Amerikanern wirklich gelernt und mitgenommen, die positive Einstellung zum Arbeiten. Niemand meckert, alle klotzen und machen. 

Einmal in Amerika haben wir zwei junge Männer mit einem SUP-Verleih beobachtet, zwei große, dicke Frauen quälten sich auf die Bretter und die beiden Männer rannten immer wieder ins Wasser, stemmten ihre Hintern auf das Brett und gingen zurück ans Land, standen und warteten bis sie wieder helfen konnten. Keiner der beiden hat gelästert, gemeckert oder gelacht. Sie haben ihre Arbeit gemacht und das mit einer Einstellung, die uns wirklich aufgefallen ist. Das ist typisch Amerika, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort scheitern die Menschen nicht wie in Deutschland, dort fangen die Menschen nochmal an und wer an diesem Punkt im Leben steht, bekommt dann den Daumen hoch und ein: Yes Man, do it again! Come On!

Als wir von Tegel nach Hause fuhren mit unserem Auto, dachten wir, es ist defekt, es lag soweit unten auf der Straße und fuhr sich einfach scheiße, haha. Es war alles ok damit aber die lange Zeit im Riesen-SUV mit Federung usw. war einfach prägend. 

Angekommen an unserem Haus fuhren wir vorbei, wir wollten nicht, die schlechte Laune der Menschen, das graue, einfach alles war irgendwie blöd. Wir drehten noch zwei Runden um den Block, bevor wir es schafften auszusteigen. Es war zu schön und wir hatten so vieles erlebt. So ähnlich muss es sein, wenn eine Katze zum ersten Mal in den Garten darf.